refugee camp

Flucht zum Anfang

Der Krieg 1990 bis 1991, angeblich ging es damals um Kuwait sorgte für eine riesige Flüchtlingswelle aus dem Nordirak in die Türkei.

Harald auf Hengst

Es folgten viel Jahre

die ich  mit und bei den Kurden verbrachte.

Ich versuchte oft wie sie zu leben, oder musste auch wie sie leben. Hatte oft viel Freude daran, war aber auch ab und an am Zweifeln.

In Erbil

Es gibt Fortschritte

In der Autonomen Region Kurdistan

Sie liegt im Norden des Irak und hat sich seit meinem ersten Besuch in 1991 doch enorm entwickelt.

Warum Kurdistan?

kurdish-dinner

Die meisten wissen, dass es Kurden gibt, aber keinen kurdischen Staat.

Das ist richtig, auch wenn Wenige wissen, dass es schon einmal einen kurdischen Staat (mit Unterstützung Moskaus) gegeben hat. Allerdings wissen auch die Wenigsten, dass es sich bei den Kurden nicht um eine Minderheit in ihrem Siedlungsgebiet handelt, sondern dass, die Minderheit dort eigentlich Iraner, Iraker, Syrier und Türken sind.

Alle diese Staaten tun viel dafür, dass es nie einen kurdischen Staat geben wird. Es geht dabei um Macht und um die natürlichen Ressourcen dieses Gebietes. Das türkische Erdöl entspringt zu 100% dem Boden des kurdischen Siedlungsgebietes, im Irak sind es 30% (schon mal nachgeguckt, wo der Irak als Global Player da steht?). Immer mehr wird in der Region das Trinkwasser zu einem Problem. Die Türkei baut einen Staudamm nach dem anderen, natürlich im türkischen Siedlungsgebiet der Kurden. Das Baath-Regiem unter Saddam Hussein hatte den Bau eines Staudammes bereits begonnen, dass über ein Drittel des kurdischen Siedlungsgebietes im Nordwesten überfluten sollte. Das irakische Kurdistan war die Kornkammer des Landes, bis Saddam Hussein feststellt, dass man Öl auch essen kann. Dies führt dazu, dass kurdische Männer verschleppt (Barzangebiet), auf Dörfer Giftgasangriffe durchgeführt (Halabja) und letztendlich über 4.500 Dörfer, zwischen Syrien, der Türkei und dem Iran dem Erdboden gleichgemacht wurden. Die irakische Regierung hatte das störrische, aufständische Bergvolk im Norden satt. Gott sei Dank aber war die Gier gen Süden zu groß, um Schlimmeres zu verhüten. Saddam Hussein erhob Ansprüche auf das kleine Einöd im Süden, Kuwait. Laut Vertrag übrigens tatsächlich ein Teil des Iraks. Allerdings wurde dieser Vertrag schon lange vor Saddam Hussein zwischen einem irakischen König und einem Scheich, König oder was auch immer des kuwaitischen Herrscherhauses unterzeichnet. Ergo, eigentlich war Saddam im Recht. Aber, und das ist, war die Krux – er hat nicht mit den Amerikanern gerechnet, seinen engen Verbündeten seit er Moskau den Rücken zugewandt hatte. Er hat möglicherweise zwei Dinge übersehen, Moskau war nicht mehr, dass, was es war und der Kuwait hatte eben keine Bananen. Dies hatte Papa Bush dazu gebracht für die Gerechtigkeit und das Völkerrecht für den Kuwait in den Krieg zu ziehen. Dazu benötigte man natürlich die beiden Volksteile, die unter dem Despoten schon sehr lange gelitten hatte. Im Norden die Kurden und im Süden die Schiiten. Kurzum die beiden Seiten wurden zum Aufstand aufgewiegelt. Allerdings hatte es Washington D.C. niemals in Erwägung gezogen diese Beiden wirklich ernsthaft so zu unterstützen, dass sie Saddam und seine Schergen aus dem Land jagen könnten.

Der Krieg in Kuwait war für Saddam nicht zu gewinnen, wohl aber der gegen die Schiiten im Süden und die Kurden im Norden. Das Ergebnis dürfte hinreichend bekannt sein. Die Marschlandschaft im Süden wurde trocken gelegt – ein nicht wiedergutzumachender ökologischer Schaden. Allerdings hatte die irakische Armee erst einmal genug mit den Sümpfen zu kämpfen. Im Norden hatte sie auch einige Probleme. Kriegsführung im Gebirge ist nicht einfach. Trotzdem brachte sie die kurdische Bevölkerung zu einer Massenflucht. Über eine Million Kurden soll sich Ende 1990 / Anfang 1991 auf die Flucht gemacht haben. Die meisten in die Türkei, viele in den Iran. Die, die es geschafft haben auch weiter weg.

Anfang April 1991

schickte mich der Arbeiter-Samariter-Bund in die Osttürkei um die mögliche Flüchtlingshilfe zur erkunden. Deshalb fangen meine Fotos auch mit Bildern von Flüchtlingslagern an. Im Mai 1991 hatte es die US Army und ihre Verbündeten geschafft, den Norden des Iraks soweit zu stabilisieren, dass die Kurden zurückgingen. Wir, das heißt die ASB-Helfer und ich gingen deshalb und auf Wunsch unserer Kurden aus einem der Lager mit. Insgesamt war ich zwischen 1991 und 1999 über 50 Monate, davon 21 Monate 1992/1993, im Irak tätig als Projektleiter für humanitäre Hilfsprojekte und 24 Monate davon als Leiter des deutschen Verbindungsbüros im Auftrag des Auswärtigen Amtes tätig. Unter meiner Leitung wurden über 1.200 Häuser in den zerstörten Dörfern aufgebaut, ca. 200 km Hauptstraßen gebaut, darunter die wichtigste Ost-Westverbindung im Norden, die Barzanstraße. Viel 100 km Anbindungsstraßen gehörten ebenso dazu wie viele Schulen und Krankenstationen. Aber auch Landwirtschaftshilfe wie Verteilung von Saatgütern, Feldwerkzeug und Vieh oder auch die zumindest noch bis 1993 dringend erforderliche Lebensmittelhilfe für die Wintermonate. Über 750.000 Menschen konnte der ASB damals für sechs Wintermonate versorgen. Viele Dörfer erhielten wieder eine Wasserversorgung und selbstverständlich wurden viele Kleinprojekte wie z.B. der Aufbau einer Rinderzuchtanstalt unterstützt.

Viel Not und Leid musste ich in dieser Zeit erleben, oft ging es mir nicht besser als den Kurden. Kein fließendes Wasser, keinen Strom, wenn der Generator kaputt war oder der Diesel fehlte. Zu essen gab es nur, was der Markt hergab. Meist Tomatenwasser mit Reis oder Reis mit Tomatenwasser. Trotzdem, keine Minute möchte ich heute missen. Es gab auch viele schöne und glückliche Momente. Viele Freunde habe ich dort gefunden, einige sind leider schon tot. In innerkurdischen Gefechten gefallen oder einfach mal „SO“ erschossen. Attentate waren bis 1995 nichts besonders. Dazu kamen die Auseinandersetzungen der beiden großen Parteien und dann auch noch der Machtanspruch der PKK (nicht erst da musste ich erkennen, dass die PKK keine türkische Freiheitsbewegung der türkischen Kurden war). Gott sei Dank leben aber noch viele. Mit einigen habe ich noch heute sehr gute Kontakte.

Seit dem letzten Krieg gegen Saddam Hussein ist Kurdistan eine autonome Region im Nordirak. Neudeutsch Region Kurdistan-Irak wie man auf der Website des deutschen Generalkonsulats in Erbil nachlesen kann.

Im Dezember 2012

war ich noch einmal in Kurdistan. Beruflich, da es wieder Flüchtlinge dort gab und der ASB wieder Hilfe leistete. Es hatte sich viel verändert, die Städte sind gewachsen und sind moderne Zentren geworden. Viele Bekannte konnte ich nicht treffen, aber der ein oder Abend wurde genutzt um sich mit einigen auszutauschen.

Leider hat sich die Situation in der gesamten Region seither dramatisch verschlechtert. Was natürlich auch zur Folge hat, dass sich ein erneuter Besuch  zurzeit „leider“ verbietet.

Mehr Fotos?